Freitag, April 4, 2025

Irena Sendler: Die Frau, die 2.500 Kinder vor dem Holocaust rettete

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Eine unscheinbare Krankenschwester mit einem unermesslichen Mut

In den dunkelsten Zeiten der Geschichte gab es Menschen, die ihr eigenes Leben riskierten, um andere zu retten. Eine dieser Heldinnen war Irena Sendler, eine polnische Krankenschwester und Sozialarbeiterin, die während des Zweiten Weltkriegs mehr als 2.500 jüdische Kinder vor den Nazis rettete.

Wer war Irena Sendler?

Irena Sendler wurde am 15. Februar 1910 in Warschau, Polen, geboren. Ihr Vater war ein Arzt, der sich besonders um arme jüdische Patienten kümmerte – eine Haltung, die Irena stark prägte. Nach seinem frühen Tod wurde sie von jüdischen Gemeinden unterstützt, was ihre tiefe Dankbarkeit und ihr Engagement für Gerechtigkeit förderte.

Schon als junge Frau engagierte sie sich für soziale Gerechtigkeit. Sie studierte Sozialarbeit und wurde in den 1930er-Jahren eine der wenigen Frauen, die sich aktiv gegen die Diskriminierung von Juden stellten.

Als Deutschland 1939 Polen überfiel, schloss sie sich dem polnischen Untergrund an und begann, jüdische Kinder aus dem Warschauer Ghetto zu retten.

Die Rettungsaktionen im Warschauer Ghetto

Irena Sendler arbeitete für das polnische Gesundheitsamt, wodurch sie Zugang zum Warschauer Ghetto hatte – einem hermetisch abgeriegelten Gebiet, in dem Hunderttausende Juden unter unmenschlichen Bedingungen lebten.

Mit gefälschten Dokumenten und unter dem Vorwand, kranke Kinder zu behandeln, schmuggelte sie Säuglinge und Kinder aus dem Ghetto heraus – in Kisten, Werkzeugkästen, unter Kleidern oder durch geheime Tunnel. Jedes Kind erhielt eine neue Identität und wurde bei christlichen Familien oder Klöstern untergebracht.

Verhaftung und Folter durch die Gestapo

1943 wurde Irena von der Gestapo verhaftet und brutal gefoltert. Trotz gebrochener Beine und Füße weigerte sie sich, die Namen der geretteten Kinder preiszugeben. Sie hatte diese auf kleinen Zetteln notiert und in einem Glas unter einem Baum vergraben.

Einige Monate später wurde sie von der polnischen Widerstandsbewegung aus dem Gefängnis befreit. Obwohl sie schwer verletzt war, setzte sie ihre Arbeit im Untergrund fort.

Ihr Leben nach dem Krieg

Nach dem Krieg grub sie die versteckten Namenslisten aus und half dabei, viele Kinder mit ihren Familien wieder zu vereinen. Allerdings waren viele Eltern in den Konzentrationslagern ermordet worden.

Irena lebte nach dem Krieg ein bescheidenes Leben. In der kommunistischen Ära Polens wurde ihre Arbeit lange nicht gewürdigt. Erst in den 1990er-Jahren erhielt sie internationale Anerkennung.

2007 wurde sie für den Friedensnobelpreis nominiert, den sie jedoch nicht erhielt. Sie starb am 12. Mai 2008 im Alter von 98 Jahren in Warschau.

Tobias
Tobias
Tobias ist ein Freiberufler mit unstillbarer Neugier. Er liebt es, inspirierende Geschichten über außergewöhnliche Menschen zu entdecken. Seine Mission: Mut, Hoffnung und Veränderung durch fesselnde Erzählungen zu vermitteln.

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